Worum geht es?
Wenn man aufmerksam durch den erweiterten Hotzenwald wandert, stößt man in bestimmten Bereichen immer wieder auf auffällige Steinstrukturen. In Nachbartälern oder auf benachbarten Bergrücken findet sich dagegen oft nichts Vergleichbares.
Es gibt Gebiete, in denen nahezu jede Baum- oder Buschinsel ein Steingeheimnis birgt. Daneben gibt es große und lange Strukturen im Wald, teils über mehrere hundert Meter, andere kurz, aber eindrucksvoll.
Bislang habe ich keine schlüssige Erklärung gefunden, die zu allen dokumentierten Orten passt. Gletscherablagerungen? Unbekannte Siedlungs- oder Befestigungsstrukturen? Lesesteinhaufen? Alte Grenzen? Terrassierungen? Meist bleibt es bei Achselzucken.
Mögliche Deutungen
Ich spreche im Folgenden von Mauern oder Wällen, einfach weil mir ein besserer Begriff fehlt. Wälle sind für mich das, was heute meist noch sichtbar ist: Es könnten aber auch einst Mauern gewesen sein, die nach dem Verlust einer stützenden Struktur zusammengefallen sind.
- Mauern / Wälle: Das Gelände läuft gewissermaßen unter der Struktur hindurch, oder der Wall ist von beiden Seiten besteigbar.
- Stützmauern: Sie terrassieren das Gelände noch heute, oft wenige Meter, manchmal aber auch über 100 Meter lang.
- Lesesteinhaufen: Denkbar, aber viele dokumentierte Strukturen wirken dafür zu geordnet, zu lang oder liegen an Stellen, an denen diese Erklärung wenig plausibel erscheint.
- Grenzen: Manche Strukturen verlaufen entlang alter Gemeindegrenzen; möglicherweise wurden Grenzen später an bereits vorhandenen Mauern orientiert.
- Natürliche Ablagerungen: Auch diese Möglichkeit ist zu prüfen, passt aber aus meiner Sicht nicht zu allen Beobachtungen.
Ausführlicher Text und Beobachtungen
Der folgende Text ist bewusst ausführlich gehalten. Er ist Arbeitsstand, Beobachtungsbericht und Einladung zur Deutung zugleich.
»Mauern« und anderes im Hotzenwald und Umgebung
Wenn man aufmerksam durch den erweiterten Hotzenwald wandert, stößt man in bestimmten Bereichen immer wieder auf »Steinstrukturen«, hingegen im Nachbartal oder auf dem Nachbarbergrücken ist nichts. Es gibt Ecken, da kann man mit Gewissheit sagen: Jeder Baum oder jede Buschinsel birgt ein Steingeheimnis. Aber es gibt, meist im Wald, auch große und lange Steinstrukturen, bis zu mehreren hundert Metern. Andere sind kurz, aber ebenfalls sehr eindrucksvoll. Bis jetzt habe ich noch keine schlüssige Erklärung gefunden, die einfach zu all den Lokationen passt. Gletscherablagerungen? Unbekanntes Oppidum? Lesesteinhaufen? Meist eher nur Achselzucken.
Ich spreche im Folgenden über Mauern oder Wälle, einfach weil ich es nicht besser weiß: Wälle ist für mich das, was man heute meist noch sieht. Es könnten aber einmal Mauern gewesen sein, die, vielleicht einer stützenden vergänglichen Struktur aus Holz beraubt, einfach zusammengefallen sind. Allerdings gibt es heute auch noch echte Mauern, dort wo sie einer Hangterrassierung dienen.
Das Leiterbachtal: Eltenberg, Stubenberg, Ettenberg
Besonders auffällig ist das Leiterbachtal mit Eltenberg, Stubenberg und Ettenberg. »Mauern« wohin man schaut, teilweise heute noch abgrenzend, andere stützend und somit die Landschaft beeinflussend.
Wenn ich von »Mauern« spreche, müsste ich eigentlich differenzieren und von Wällen und Stützmauern sprechen: Mauern oder Wälle sind Strukturen, bei denen das Gelände unter der Mauer hindurchläuft beziehungsweise der Wall von beiden Seiten besteigbar ist. Stützmauern terrassieren das Gelände noch heute. Oft sind sie nur wenige Meter lang, manche aber über 100 Meter. Häufig liegt auf der oberen Seite heute ein Feldweg.
Warum Mauern?
In vielen Fällen lassen sich auch heute noch geschichtete Strukturen erkennen: gesetzte Mauern, trocken hochgezogen, ohne Mörtel. Andere sind eingefallen und hinterlassen nur noch einen ungeordneten Steinhaufen. Wären es Gletscherablagerungen, dann wären die Steine aus meiner Sicht häufiger deutlich abgeschliffener.
Auch Lesesteinhaufen gibt es. Charakteristisch wäre dort jedoch eher eine fehlende Ordnungsstruktur im Mauerverband und ein Durcheinander der Steingrößen. Bei den dokumentierten Mauern gibt es oft eine gleichmäßige Mischung aus mittelgroßen Steinen, deren Lücken mit kleineren Steinen ausgefüllt wurden, sofern die Struktur noch steht.
Gegen reine Lesesteinhaufen spricht, dass manche Mauern über einen Kamm oder entlang eines Kammes verlaufen, etwa am Stubenberg, bei Ibach oder Wolpadingen. Andere laufen einfach eine Bergflanke hinunter oder ziehen im Zickzack einen Hang hinauf, ohne der Geländelinie zu folgen. Es ergibt wenig Sinn, Steine, die man einfach nur wegschaffen möchte, geordnet abzulegen und dazu in etlichen Fällen noch bis auf den Kamm zu tragen.
Umfriedungen, Gassen, Verteidigung?
Vielleicht handelt es sich um Abgrenzungen zur Viehzucht? Denkbar, aber auch dagegen spricht in vielen Fällen die schiere Menge an Material. In einer vermutlich immer waldreichen Gegend gab es wohl einfachere Methoden. Einige wenige Strukturen könnten Flächen einzäunen, etwa bei der Schule in Wittenschwand, unterhalb von Schwand oder unterhalb von Wolpadingen. Auffällig ist jedoch, dass dabei oft unwegsames oder sumpfiges Gelände eingefasst wird.
Zudem gibt es mächtige Parallelstrukturen, die eher eine Gasse bilden als ein Viehgatter, zum Beispiel am Estelberg oder auf dem Grat des Stubenbergs.
Vielleicht Verteidigungsmauern? So gerne ich das glauben würde: Dahinter müsste etwas Verteidigungswertes gelegen haben. Dann müssten Mauern jedoch eher entlang einer Höhenlinie verlaufen. Das tun sie nicht immer. Auch parallele Strukturen, mehrfache Gratmauern oder Mauern, die einfach einen Hang hinunterlaufen, ergeben dafür nicht immer Sinn.
Zweck, ja wenn man das wüsste: viele Mauern dienen der Trassierung , mit teilweisen deutlichen Geländeunterschieden, es dürfen auch mal 10 m sein ( oberhalb von Happingen, oder Estelberg / Stubenberg) oft aber nur 2-3 m. Natürlich erleichtert eine Terassierung was auch immer man mit dem Land machte… aber wann war in der Vorzeit Land hier so knapp, dass man überall mit wirklich viel viel Aufwand eben 2-3 Meter oder weniger Gelände ausgleichen muss um es etwas (!) gerader zu haben ?
Bootsrumpfartige Hügel, Rampen, Plattformen und »Türme«
Dann gibt es überall, vermutlich weit über 100, Strukturen, die äußerlich an »Gräber« erinnern. Außer der Form deutet jedoch nichts sicher auf ein Grab hin. Sie sehen aus wie umgedrehte Bootsrümpfe aus Stein. Manche sind nur zwei bis drei Meter lang und vielleicht ein bis eineinhalb Meter hoch. Andere haben eine Kiellänge von über zehn Metern und zwei bis drei Meter Höhe. Sie sind oft sehr symmetrisch aufgebaut und treten selten allein auf.
Bei Finsterlingen gibt es eine schöne Konstellation, bei der insgesamt sechs dieser Rümpfe quer am Hang liegen, sodass man meinen könnte, sie seien auf einen Punkt im Talgrund ausgerichtet.
Daneben gibt es Rampen oder Plattformen, besonders an steileren Hängen. Oft ist die vordere, hangseitige Kante heute noch etwas höher als die Ebene direkt dahinter, wie mit einem Bulldozer vorgeschoben.
Auch auffällige Eckpunkte mit viel mehr Material kommen vor. Man könnte sich vorstellen, dass dort an 90-Grad-Knicken einst verstärkte Bauwerke, Plateaus oder turmartige Konstruktionen standen, die später kollabierten. Beispiele gibt es am Estelberg, Hungerberg, in Dachsberg-Schwand, Urberg oder Unteribach.
Grenzen und Alter
Vergleicht man ältere Karten mit den heute noch sichtbaren Mauerverläufen, fällt auf, dass viele Mauern exakt entlang alter Gemeindegrenzen verlaufen. Schaut man in der Realität nach, findet man oft genug alte Grenzsteine, und die Grenzen schlagen jeden Haken der Mauern mit.
Daraus könnte man eher schließen: Nicht die Mauern wurden entlang der Grenzen gesetzt, sondern die Grenzen wurden an den bereits vorhandenen Mauern orientiert. Etwa: hier herunter bis zum Bach, am Knick wieder hinauf bis zum Bergrücken und dann an der alten Mauer entlang zurück. Das würde bedeuten, dass die Mauern zum Zeitpunkt der Grenzsetzung schon vorhanden waren.
Die wörtliche Aussage eines Bauern, den ich als »Mauerbesitzer« befragte, war: »Die Mauern hier? Keine Ahnung, die waren schon immer da. Die sind sehr, sehr alt. Wie alt, weiß keiner.«
Stubenberg und weitere Beispiele
Die Mauerstrukturen auf dem Stubenberg sprengen jede Dimension. Dort wurden viele Tonnen Steine bewegt, von unten nach oben. Auf seinem Rücken laufen etliche Mauern, manche parallel, sodass regelrechte Gassen entstanden sind. Der gesamte nördliche und westliche Teil ist terrassiert, teilweise mit auch heute noch beeindruckender Tiefe der Trassen.
Ein anderes Beispiel ist Tiefenhäusern mit Blick ins Tiefenbachtal: Auf der südlichen Hangseite wurde ein relativ flacher Hang durch Mauern in nahezu gerade Ebenen verwandelt. Auf der nördlichen Talseite hält eine Mauer zunächst einem Geländeunterschied von zwei bis drei Metern stand, um dann in eine niedrigere, scheinbar sinnfreie Mauer überzugehen, die in einem Bogen vom oberen Talrand zum Bach hinunterläuft.
Auch am Urberg-Katzenkopf finden sich Mauern und Wälle, die das Gelände teils terrassieren und teils nur zu teilen scheinen. Das Ganze wirkt stellenweise wie ein großer Park.
Offene Fragen
Alles in allem ist die Dokumentation sicher nicht vollständig. Es gibt eine deutliche Häufung bestimmter Formen in einigen Gebieten, während andere nahe Regionen kaum entsprechende Strukturen zeigen. Auch alte Gewannnamen liefern bislang nur wenige Hinweise.In Urberg-Schwand gibt es ein Gewann »an der grossen Wall-Mauer« , da ist noch nicht einmal was zu sehen, in Häsuern gibt es ein «bei den Mauern«… und dort gibt es reichlich (siehe Bilder), aber sonst ?
Gletscherablagerungen bleiben als Möglichkeit zu prüfen. Aber auch dort, wo runde Steine vorkommen, wirken sie häufig so aufgeschichtet, dass wieder eine glatte Wand entsteht. Aus meiner Sicht wurden solche Steine lokal als Baumaterial genutzt.
Alles in allem, was ich dokumentiert habe ist sicher nicht vollständig, aber es gibt in der Tat eine gewisse Häufung: z.B. ist mir für Görwihl nur eine einzige Stützmauer bekannt, Entweder hat es mehr nie gegeben, oder wurden abgetragen. Hingegen das Schlüchttal und die Höhen dazu habe ich hier noch gar nicht eingestellt.
Und nun: Viel Spaß mit der interaktiven Karte, die Bilder sprechen sicher für sich (einfach die Thumbs anklicken). Ich freue mich über jede Interpretation und empfehle jedem, mal den Rücken Eltenberg, Stubenberg, Ettenberg abzulaufen, um sich mit den Dimensionen vertraut zu machen.